Hallo in die Runde - Erfahrungen mit der Voge 300 Rally

Alles von VOGE was mit den 3xx Modellen zu tun hat
Marv
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Hallo in die Runde - Erfahrungen mit der Voge 300 Rally

Beitrag von Marv » Samstag 26. April 2025, 21:22

Guten Tag Zusammen,
Ich bin Marvin und fahre seit ca. 1Jahr eine Voge 300 Rally als zweit Motorrad. Ansonsten bin ich auf einer Honda Africa Twin von 2017 (60tkm) unterwegs.
Ich habe dieses Forum bisher dankbar verfolgt und dachte ich melde mich nach reichlich Erfahrung mit dem Fahrzeug auch mal zu Wort. Aktuell bin ich auf dem Rückweg nach 14 Tage Marokko Tour. Gefahren wurde hauptsächlich Offroad, unter Anderem die Dakar Stages durch die Wüste entlang der Algerischen Grenze.

Aber nun zum Moped. Vorweg, die Bezeichnung Rally ist natürlich ebenso wie bei der Honda mit viel Ironie zunehmen. Mit Rally hat dieses Motorrad absolut nichts zu tun. Dennoch ist es eine brauchbare Reiseenduro. Auf Asphalt ist das Reisen auf der Voge natürlich aufgrund der Motorisierung gegenüber den großen Schiffen deutlich entschleunigt. Im Gelände hat das geringere Gewicht vorallem im Sand und Schlamm große Vorteile. Ich hatte in Marokko sehr viel Spaß mit der Maschine. Trotz 35kg Gepäck waren auch die 3000er Pässe kein Problem. In Sandfelder und Dünen kam ich damit sehr gut zurecht. Die Zuverlässigkeit ist für den Preis wirklich erstaunlich. Bis auf einige lose Schrauben (habe das Lenkerende verloren) hat die Voge auch die härtesten Pisten gut weggesteckt. Langzeit Vollgasfestigkeit wurde auch bewiesen... Pannen gab es keine.

Modifikationen im Vorfeld:
- Navihalterung hinter dem Windschild von Ali Express
-Klappbare Spiegel und Brems- Kupplungshebel von Ali Express
-Motorschutz aus Metall von Ali Express
-Langer Schalthebel von Ali Express
- Weitere USB Anschlüsse und 12V Zündungsplus für Kompressor unter Sitzbank

Reifen:
Mitas XT+ Vorne 90/90-21 Hinten 120/90-18 Heavy Duty Schläuche und Luftdruck 2-2,5Bar
Reifeneintragung mit hin und her beim Tüv am Ende kein Problem. Tipp: laut Tüv Umrechnungstabelle ist hinten 130/80-18 analog zum Originalreifen und einfacher einzutragen.

Übersetzung:
Ich habe mir das 15er Ritzel besorgt aber Gott sei Dank nicht eingebaut. Einen so kurz übersetzten 1. Gang braucht man wirklich in keiner Situation. Allerdings kommt die Motorisierung in vielen Situationen schon mit der originalen Übersetzung an ihre Grenzen. In höheren Lagen, bei Steigung oder auf gerader Fahrt mit Wüstenwind sind Vollgas oft nicht mehr als 90-95kmh drin. Daher macht eine längere Übersetzung in meinen Augen nur bei Ausfahrten im Flachland sinn.

Fahrwerk:
Das Fahrwerk macht eine erstaunlich gute Figur. Nach Anpassung der Vorspannung macht das Federbein einen guten Job. Vorne ist die Gabel zu weich und neigt bei zügiger Gangweise auf welliger Piste zu Durchschlägen, aber für eine OEM Gabel völlig ok und fahrbar.

Bremsen:
Die Vorderbremse könnte griffiger sein und einen besseren Druckpunkt haben. Vermutlich lässt sich das mit anderen Belägen optimieren. Ich bin bei den Originalen geblieben, da diese auch bei hohen Temperaturen auf Pässen gleichmäßig funktionieren und an den höheren Kraftaufwand am Bremshebel gewöhnt man sich schnell.
Die Hinterradbremse finde ich gut.

Luftfilter:
Der Luftfilter ist leider minderwertig und ich habe im Vorfeld keinen passenden Vorfilter gefunden. Resultat ist Staub hinter dem Luftfilter. Auf Dauer sicher nicht toll für das Triebwerk! Da muss nachgearbeitet werden!

Service:
Ich habe nach 5tkm einen Service gemacht. Das wurde auch mehr als Zeit. Ich kann nicht empfehlen die angegebenen Serviceintervalle auszureizen. Bei 1,4l Öl und einem Miniölfilter kann das nicht funktionieren. Ist aber kein großes Problem. Die Teile kosten ja nichts, nehmen nicht viel Platz weg, der Service ist einfach und auch unterwegs in 15min erledigt.

Kette:
Die original Kette macht einen sehr guten Job und die Verschleißgrenze ist nach 8tkm noch nicht in Sicht. Gefahren wurde mit Fett oder auf Wüstenetappen trocken.

Getriebe:
Leider unpräzise und manchmal sehr hakelig.

Lack:
Alle Plastikteile und auch der Rahmen sind sehr minderwertig lackiert. Sogar die Eloxierung des Motors verschwindet durch Reibung des Stiefels. Das ist leider schlecht, aber irgendwo muss sich der Preis widerspiegeln.

Ansonsten ist der Seitenständer etwas zu lang und erschwert das sichere Abstellen des Fahrzeugs im Gelände.


Ich hoffe ich kann bei dem ein oder anderen mit den Infos etwas weiterhelfen oder zumindest unterhalten. :)

Die Voge ist in Sachen Preis-/ Leistung wirklich sehr gut, mit leichten Kompromissen. Zum ernsthaften Reisen wären 10-15 PS bei gleichem Gewicht mehr und hier und da eine bessere Verarbeitung wie beim Lack wünschenswert. Es sollten vor Nutzung alle Schrauben nachgezogen und oder eingeklebt werden. Hier wird von Voge leider viel geschlampt. Ansonsten ist das Moped für den Alltag oder für puristische Enduroreisen sehr zu empfehlen!

MFG
Marvin

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Iceman
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Re: Hallo in die Runde - Erfahrungen mit der Voge 300 Rally

Beitrag von Iceman » Sonntag 27. April 2025, 00:06

Marokko, wo ihr euch alle so rumtreibt. Respekt. 😎👍

Streifi
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Re: Hallo in die Runde - Erfahrungen mit der Voge 300 Rally

Beitrag von Streifi » Montag 28. April 2025, 11:54

Das ist eine weitere tolle und aufschlussreiche Zusammenfassung. Danke dafür!

Viele Grüße
Markus

Klaus
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Re: Hallo in die Runde - Erfahrungen mit der Voge 300 Rally

Beitrag von Klaus » Montag 28. April 2025, 16:33

Hallo Marvin,

schön beschrieben, wer auf der Suche nach dem "richtigen" Moped ist, kann durch deinen Text einen Stück weiterkommen.
In Marokko bin ich auch schon ein Stück gefahren (vor ca. 30 Jahren) auf ner Yamaha DT 125 (Zweitakt), geiles Gerät und voll
ausreichend.

Gruß - Klaus (JL)

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300yellow
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Re: Hallo in die Runde - Erfahrungen mit der Voge 300 Rally

Beitrag von 300yellow » Sonntag 24. August 2025, 20:32

Marv hat geschrieben: Samstag 26. April 2025, 21:22 Luftfilter:
Der Luftfilter ist leider minderwertig und ich habe im Vorfeld keinen passenden Vorfilter gefunden. Resultat ist Staub hinter dem Luftfilter. Auf Dauer sicher nicht toll für das Triebwerk! Da muss nachgearbeitet werden!
Hallo Marvin,

ich habe heute den DNA Luftfilter verbaut. Der kommt mit einem kleinen Döschen Fett daher, welches man auf die Auflage- bzw. Dichtflächen leicht verteilen soll. Der Filter macht einen guten Eindruck. Das eigentliche Filterelement und der Halterahmen sind zweigeteilt. Die Nasen zum festklemmen mußte ich leicht nachbiegen, da sie keinen optimalen Halt gefunden haben.
20250824_112733(1).jpg
20250824_114455(1).jpg
Für die Wüste und den feinen isländischen Staub würde ich einen Schaumstoffluftfilter bevorzugen.

Gruß,
Bernd
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Steinbeisser
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Re: Hallo in die Runde - Erfahrungen mit der Voge 300 Rally

Beitrag von Steinbeisser » Montag 25. August 2025, 13:05

Hi Marvin,

danke für Deine vielen Erfahrungswerte aus "artgerechter Haltung"!

Einen Punkt möchte ich noch kommentieren:
Marv hat geschrieben: Samstag 26. April 2025, 21:22 Luftfilter:
Der Luftfilter ist leider minderwertig und ich habe im Vorfeld keinen passenden Vorfilter gefunden. Resultat ist Staub hinter dem Luftfilter. Auf Dauer sicher nicht toll für das Triebwerk! Da muss nachgearbeitet werden!
Der Filter ist nicht unbedingt minderwertig, sondern für diesen Zweck nicht geeignet.
Papierluftfilter funktionieren in sandiger Umgebung generell nicht gut.
Ein Freund von mir war vor Jahren mit seiner XR 650L in der Wüste, die unsinnigerweise ebenfalls serienmäßig einen Papierfilter hatte.
Auch dort hat der Motor gelitten, weil der ganz feine Sand nicht ausgefiltert wurde.

Darum war mir der Filter von vornherein ein Dorn im Auge.
Zum Glück habe ich im Forum einen kompetenten Kollegen gefunden, der die 3D Dateien für einen Käfig für Schaumstoff-Nassluftfilter erstellt hat.
Siehe diesen Beitrag

Marv
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Re: Hallo in die Runde - Erfahrungen mit der Voge 300 Rally

Beitrag von Marv » Mittwoch 5. November 2025, 00:10

Hallo Zusammen,

vielen Dank für eure Antworten und Tipps. Ich habe leider im Vorfeld keinen geeigneten Filter gefunden. Für die nächste Tour werde ich da nachbessern.


Beste Grüße

Cyborg
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Re: Hallo in die Runde - Erfahrungen mit der Voge 300 Rally

Beitrag von Cyborg » Montag 29. Dezember 2025, 19:40

Hallo Marvin,

da du dir bereits alle wesentlichen Zubehörteile für die Rally besorgt hat, hättest du ggf. ein paar Links auf die passenden Produkte?
Ich habe heute eine 300 Rally gekauft und ich denke, um Spiegel, Lenkererhöhung, Schalthebel, Kupplungshebel und Navi Halterung komme ich auch nicht herum.

Ich habe noch eine Teneré 700 für die Langstrecke aber für das heimische Gehölz und den einen oder anderen Tagesausflug soll die Rally gut vorbereitet sein. 😊

Grüße
Robert

Marv
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Re: Hallo in die Runde - Erfahrungen mit der Voge 300 Rally

Beitrag von Marv » Samstag 7. Februar 2026, 11:13

Hey Robert,

Bitte entschuldige die späte Rückmeldung.
Gib bei Ali Express den Motorrad Namen ein und du findest alles.

Navi Halterung:
https://a.aliexpress.com/_EGcYGS0

Unterbodenschutz:
https://a.aliexpress.com/_ExHHC7w

Hebel:
https://a.aliexpress.com/_EvhiPcu

Schalthebel: (ist mir schon einmal kaputt gegangen)
https://a.aliexpress.com/_EGZ9gr2

Viel Spaß beim Basteln!

Marv
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Re: Hallo in die Runde - Erfahrungen mit der Voge 300 Rally

Beitrag von Marv » Samstag 7. Februar 2026, 11:32

Update: defekt an der Voge 300 Rally

Im November hat mich die Voge auf dem TET in Holland im Stich gelassen. Motor ging aus und wollte nicht mehr richtig starten. Verhielt sich so als würde der Sprit fehlen. Meine Vermutung wurde vom ADAC Service bestärkt. Benzinpumpe defekt, der Motor bekommt keinen Sprit.

Nachdem ich mich selbst um einen Abschlepper nach Deutschland gekümmert habe (den ADAC kann man im Ausland leider knicken...immerhin haben sie rückwirkend nach 3 Monaten erstattet) habe ich mich Zuhause an die Reparatur gemacht.

Ich kürze die Story ab:
Benzinpumpe neu - lief nicht
Einspritzdüse neu - Moped läuft, aber am nächsten Tag nicht mehr
Komplette Einspritzeinheit und Steuergerät bestellt - Moped läuft VOR dem Einbau tadellos... Wetter wurde trockener und langsam ahnte ich es schon...

Es waren blanke Kabeladern am Stecker zum Relaiskasten. Dieser sitzt hinter dem mittleren Rahmen auf der linken Seite. Bei mir haben die Kabel am Drosselklappensensor gerieben und vermutlich durch Feuchtigkeit einen Fehlerstrom in der Einspritzeinheit produziert. Alles dick isoliert, seitdem läuft wieder alles problemlos.

Scheint nicht optimal konstruiert zu sein und in meinem Fall haben Dreck und Sand den Prozess beschleunigt.

Zusätzlich hatte ich beim Bremsen ein Knacken im Lenkkopflager. Das wurde leider zu trocken ab Werk montiert, sodass sich der Sand breit machen könnte und die Lagerschalen zerstörte. Mein Händler wollte freundschaftliche 400€ für die Reparatur haben. Habe es dann für 1/8 der Kosten selbst ausgetauscht.

Ich hoffe die Rally hält die nächste Tour problemlos durch. :)

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